Deutschland 2007, 150 Min. R: Uli Edel D: Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Johanna Wokalek u.a.
Deutschland in den 70er Jahren. Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin kämpfen gegen das, was sie als das neue Gesicht des Faschismus begreifen: die US-amerikanische Politik in Vietnam, im Nahen Osten und in der Dritten Welt, die von führenden Köpfen der deutschen Politik, Justiz und Industrie unterstützt wird. Die von Baader, Meinhof und Ensslin gegründete Rote Armee Fraktion hat der Bundesrepublik Deutschland den Krieg erklärt. Es gibt Tote und Verletzte, die Situation eskaliert, und die noch junge Demokratie wird in ihren Grundfesten erschüttert.
Kinostart:
25. September 2008 (Deutschland), 26. September 2008 (Österreich), 02. Oktober 2008 (Schweiz)
FSK ab 12 J. Verleih: Constantin Film (Deutschland)
Erstellt
von Redaktion,
13.09.2008 2008-09-13
Geändert
von Redaktion,
27.09.2009
Pro
"Packendes Kino", Stefan Schmitz, Stern
Contra
"Der 'Baader-Meinhof-Komplex' liefert weder neue Erkenntnisse noch das, was gemeinhin am Kino interessant ist: Spannung, Sex, Wahrheit, Streit.", Bert Rebhandl, Der Standard
Die Verfilmung von Stefan Austs gleichnamigen Buch verkommt zu einer assoziationsschweren Starparade von Martina Gedeck bis Bruno Ganz und zugleich zu einer losen Modeschau an coolen Vintage-Klamotten.
Eichingers Bilder erklären nichts, wie sie auch keine Fragen stellen. Illustration und eine pedantische Nachstellung, die ihr größtes Augenmerk auf die Anzahl der verschossenen Patronen legt, füllen nicht die Lücken des Verdrängten.
Obschon dieses Kinowerk weder an der sozial-historischen noch an der individuell-biografischen Dimension des Themas interessiert ist, wird hier weder eine Remythologisierung der RAF betrieben noch Effekthascherei.
Der Film verhält sich wie ein Porno zum Liebesfilm. Wo der eine weiß, wie kompliziert die Dinge liegen, kennt er nur Eskalation. Das ist das Gegenteil von Haltung.
Der 'Baader-Meinhof-Komplex' bringt viele neue Erkenntnisse über die politische Stimmung in einem Land, das sich nach dem alten Schema von Freund und Feind zurückzusehnen scheint.
Dieser Film macht seinen Zuschauer sehr empfindlich, auch das Licht in ihm ist sonderbar, leicht blendend, wie die Morgensonne nach der Rekonvaleszenz.
Es passiert etwas mit diesem Film, und am Ende stellt sich das Gefühl ein, dass es ein Gewinn war, ihn gesehen zu haben, nicht nur wegen der großartigen Darsteller.